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Wie sicher ist Natürliche Familienplanung nach Sensiplan als Verhütungsmethode wirklich?

Der Trend weg von hormonellen Verhütungsmethoden hat in den letzten Jahren zugenommen. Die Nutzung von Methoden, die zur Natürliche Familienplanung gezählt werden, stellen somit mehr und mehr eine attraktive hormonfreie und damit nebenwirkungsfreie Alternative dar. 

 

Wenn du dich mit Natürlicher Familienplanung als Verhütungsmethode auseinandersetzt, hast du bestimmt schonmal den ein oder anderen Satz gehört oder dir sogar selbst gedacht.

 

  • „Meine Freundin ist mit NFP schwanger geworden“

  • „Ich habe Angst etwas falsch zu machen“

  • „Ich stehe so unregelmäßig auf, dann kann ich die Methode nicht nutzen.“

  • „Ich bin nicht diszipliniert genug für Sensiplan“

  • „(trage hier deine eigenen Zweifel ein)“

 

An diese Gedanken und Zweifel erinnere ich mich selbst noch sehr genau und sie begegnen mir in der Praxis auch immer wieder. Hier schauen wir uns im Detail ausführlich an, wie sicher Sensiplan als Verhütungsmethode wirklich ist.

 

 

Inhalt

 

 

Welche Methoden der Natürlichen Familienplanung gibt es eigentlich?

Das Prinzip von Methoden der Natürlichen Familienplanung basiert darauf das fruchtbare Zeitfenster im Zyklus der Frau zu bestimmen. Dies ermöglicht es der Frau oder dem Paar selbstverantwortlich mit ihrer Fruchtbarkeit umzugehen: bei Verhütungswunsch also auf Sexualität zu verzichten oder anderweitig zu verhüten; bei Kinderwunsch diesen gezielt zu verfolgen. Da es hier um die Sicherheit der Methode geht, betrachten wir nun vor allen Dingen den Aspekt der Verhütung.

 

Unter der Überschrift „Natürliche Familienplanung“ kursieren einige unterschiedliche Methoden, die alle vorgeben das fruchtbare Zeitfenster im Zyklus zu bestimmen. Da gibt es z.B.: 

  • die Kalendermethode, die ohne eigene Beobachtung der Körperzeichen nach einem Rechenmodell die fruchtbare Phase berechnet; 

  • die Temperaturmethode, welche sich nur an der Temperaturkurve orientiert, 

  • die Zervixschleim-Methode, welche sich ausschließlich auf den Zervix-Schleim stützt und so das fruchtbare Zeitfenster im Zyklus bestimmt. 

 

Neu hinzugekommen sind in den letzten Jahren eine Vielzahl an Apps, die das Auswerten der Körperzeichen mittels Algorithmus übernehmen. Was all diese Methoden gemeinsam haben: ihnen fehlt die wissenschaftliche Grundlage über die Sicherheit der einzelnen Verfahren oder ihrer Algorithmen. Es hat sich also gezeigt, dass damit das fruchtbare Zeitfenster nicht nachweisbar belastbar bestimmt werden kann und die Methoden zur Verhütung nicht geeignet sind/waren.

 

Und immer wieder kursieren Geschichten über ungewollte Schwangerschaften die mittels Natürlicher Familienplanung entstanden sind, Mythen oder Halbwissen zu all diesen Methoden. Das verunsichert. Doch was ist dran an diesen Unsicherheiten in Bezug auf Sensiplan?

 

 

Was macht Sensiplan anders als die anderen Methoden (und damit viel sicherer)?

Um eine wissenschaftlich fundierte Methode der Natürlichen Familienplanung zu entwickeln, entstand in den 1980er dann die Arbeitsgruppe NFP, die zu den Maltesern gehört. Sensiplan wurde entwickelt und von Beginn an wissenschaftlich erforscht und kontinuierlich durch die  Sektion Natürliche Fertilität (SNF) an der Universtitätsklinik Heidelberg begleitet. 

 

Um eine möglichst hohe Sicherheit zu ermöglichen, kombiniert Sensiplan die Beobachtung und Auswertung zweier Körperzeichen: Zervixschleim oder Muttermund (sympto-) und Temperatur (thermal). Aus der Kombination dieser Beobachtungen entstand Sensiplan, die symptothermale Methode.  Sensiplan zeigt das fruchtbare Fenster im Zyklus der Frau nach klar festgelegten Regeln an. Die Regeln, wonach diese Körperzeichen ausgewertet werden, wurden mithilfe zahlreichen Zyklen entwickelt und wissenschaftlich begleitet. 

Wie lässt sich diese Sicherheit also messen?

 

 

Der Pearl Index

Vielleicht hast du schon einmal was vom Pearl Index gehört; falls nicht, kommt hier nochmal eine kurze Erklärung dazu:

Der Pearl Index gibt an, wie sicher eine Verhütungsmethode ist. Dazu schaut sich der Index an, wie viele ungewollte Schwangerschaften während der Nutzung eines bestimmten Verhütungsmittels innerhalb eines Jahres bei 100 Frauen entstehen. Je niedriger der Wert, desto sicherer ist also die Verhütungsmethode.

 

Für Sensiplan haben sich folgende Werte ergeben:

 

Methodensicherheit (MS): 0,4 Pearl Index

Grundlage für diesen Wert waren 7.866 Zyklen, bei denen lediglich 3 ungewollte Schwangerschaften entstanden. Die Methodensicherheit gibt den Wert an, der sich ergibt, wenn Sesiplan exakt nach den Regeln umgesetzt und angewendet wird und liegt mit 0,4 Pearl Index im Bereich der Pille. 

 

Es gibt noch einen zweiten Wert: die Gebrauchssicherheit oder auch Alltagssicherheit (AS). Die Gebrauchssicherheit entsteht, wenn Sensiplan im Alltag angewendet wird. Dieser Wert ist stark abhängig vom jeweiligen Paar/der Nutzer*in und die Art und Weise wie Sensiplan im Alltag genutzt und angewendet wird. Die Gebrauchssicherheit von Sensiplan hat einen Pearl Index von 1,8. 

 

Hinweis: Wenn im fruchtbaren Zeitfenster andere Verhütungsmittel (z.B. Kondom oder Diaphragma) genutzt werden, gilt der Pearl Index des jeweiligen Verhütungsmittels.

 

Zum Vergleich: Die Pille hat einen Pearl Index von 0,3-1 (MS) und eine Alltagssicherheit (AS) von 2,5-9. Das Kondom liegt bei 2 (MS) und 6-18 (AS).

 

 

Welche Faktoren beeinflussen die Sicherheit der Methode?

Als Nutzer*in von Sensiplan hast du die Sicherheit der Methode in der Hand und kannst sie maßgeblich beeinflussen. Du lernst deine Körperzeichen zu beobachten, deinen Beobachtungen zu vertrauen und diese dann regelkonform anzuwenden. Was kannst du also selbst tun?

 

Einhalten der Regeln: Eine großzügige Interpretation oder ein falsches Verständnis der Regeln kann dazu führen, dass du als Nutzer*in das fruchtbare Fenster falsch festlegst. Heißt: Du denkst du seist nicht mehr/noch nicht fruchtbar, bist es aber eigentlich schon. Diese Unsicherheit lässt sich durch eine intensive und fundierte Auseinandersetzung mit der Methode – im besten Fall mit einem Einführungskurs bei einer zertifizierten Berater*in – deutlich beeinflussen.

 

Regelmäßigkeit: Regelmäßiges, morgendliches Temperaturmessen, die Beobachtung der Körperzeichen (Zervixschleim oder Muttermund) und die Dokumentation dieser Beobachtungen sind die Grundlage der Methode und nehmen damit auch maßgeblich Einfluss auf die Sicherheit. Im besten Fall schenkst du dir selbst jeden Tag einige Minuten, um deine Körperzeichen zu beobachten und hältst sie direkt in einem Zyklusblatt fest. Machst du das regelmäßig und zuverlässig, ist es auch kein Problem, wenn du eine Beobachtungen mal vergisst. Es können dann auf genug andere Informationen zurückgegriffen werden und du kannst deinen Zyklus trotzdem noch sicher auswerten. 

 

Umgang mit Fruchtbarkeit und Motivation: Sensiplan zeigt dir an, wann du fruchtbar bist. Du als Nutzer*in kannst also jeden Zyklus wieder neu für dich (und mit deiner/m Partner*in) überlegen, ob du schwanger werden möchtest oder nicht. Setzt du dich bewusst mit deinem Kinderwunsch auseinander, vermeidest du, dass ein versteckter (unterbewusster) Kinderwunsch deine Auswertung beeinflusst oder du die Regeln zu großzügig interpretierst. 

Entscheidest du dich dafür nicht schwanger werden zu wollen, ist es wichtig einen Umgang mit der fruchtbaren Zeit zu finden, sofern du in dieser Zeit sexuell aktiv sein möchtest. Im fruchtbaren Zeitfenster sollte dann ein anderes Verhütungsmittel konsequent genutzt werden. In dieser Zeit zählt dann der Pearl Index des jeweiligen Verhütungsmittels.

 

Apps und co.: Wir kennen es doch alle: Manchmal ist man viel unterwegs, schläft vielleicht auch mal woanders und dann soll man noch extra ein analoges Zyklusblatt mitnehmen? Wäre es da nicht viel einfacher die Beobachtungen in eine App einzutragen und die Berechnung der App zu überlassen? Vielleicht wäre es das. Doch am Ende des Tages bist du selbst deine größte Sicherheit in Bezug auf die Methode. Du hast deinen Körper kennengelernt und weißt, welche unterschiedlichen Faktoren Einfluss auf deinen Zyklus haben (z.B. Schlaf, Stress, Alkohol). Du kennst die Regeln und kannst sie anwenden. Das kann dir kein Algorithmus mit Sicherheit abnehmen. Das klassische Zyklusblatt mit deinen Aufzeichnungen ist deine beste Freundin, um deine Aufzeichnungen sicher auszuwerten. 

 

Umgang mit Unsicherheiten: Gehe bewusst mit Unsicherheiten und Ängsten in Bezug auf die Methode um. Lese im Praxisbuch oder Arbeitsheft nach oder nehme Kontakt mit einer zertifizierten Berater*in auf.

 

Einführungkurs: Du hast es oben schon immer mal wieder gelesen: Ich empfehle ganz klar die Teilnahme an einem Einführungskurs – individuell oder in einer Gruppe. Sicher kann man sich die Methode auch selbst mittels Praxis- und Arbeitsbuch beibringen. Die Praxis hat jedoch gezeigt, dass es hilfreich ist, beim Erlernen der Methode fachlich begleitet zu werden. Du wirst individuell über mindestens 3 deiner Zyklen unterstützt, kannst deine Unsicherheiten und Ängste ansprechen und dich ggf. mit anderen Teilnehmenden austauschen. Mehr Informationen über einen Einführungskurs findest du hier.

 

 

Fazit.

Mit Sensiplan gibt es eine wissenschaftlich fundierte Methode, die es dir ermöglich hormon- und nebenwirkungsfrei sicher zu verhüten. Ein bewusster Umgang und die konsequente Anwendung der Regeln ermöglichen eine Methodensicherheit, die sich im Bereich der Pille bewegt. 

 

Zu diesem Fazit kam auch diese Studie welche sich mit der Sicherheit der Methode auseinandersetzt.

Die deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe sowie die Österreichischen und Schweizerischen Partnergesellschaften bestätigten die Effektivität von Sensiplan und übernahmen sie in das Leitlinienprogramm zur nicht-hormonellen Empfängnisverhütung. Mehr dazu kannst du hier nachlesen.

 

 

Ich persönlich nutzte Sensiplan schon seit einigen Jahren begeistert als hormonfreie Verhütungsmethode. Was für mich persönlich ein weiterer Vorteil ist, ist die Tatsache, dass ich unabhängig und selbst-bewusst Verantwortung für meine Fruchtbarkeit übernehme. Mit Sensiplan habe ich einen Weg gefunden, hormonfrei und wissenschaftlich fundiert sicher zu verhüten.

 

Wenn dich die Methode interessiert, du Fragen hast oder Lust verspürst, Sensiplan zu erlernen, freue ich mich von dir zu hören.

 

 

 

 

Quellen und weiterführende Links:

Weitere Informationen

Veröffentlichung

Mi, 10. Juni 2026

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